Was sind 18XX Brettspiele?
Die Geschichte der 18xx-Brettspiele
Das Jahr 1974 markiert die Geburtsstunde eines der tiefgründigsten Brettspiel-Genres überhaupt. Der britische Spieledesigner Francis Tresham veröffentlichte mit 1829 ein Spiel, das die Geschichte des britischen Eisenbahnbooms des 19. Jahrhunderts auf das Spielbrett brachte. Die Prämisse war ebenso simpel wie genial: Spieler gründen und leiten Eisenbahngesellschaften, handeln mit Aktien und bauen Streckennetze, um maximalen Gewinn zu erzielen - alles ohne jegliche Zufallselemente.
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Der eigentliche Durchbruch kam 1986, als Avalon Hill das von Tresham mitentwickelte 1830: Railways & Robber Barons veröffentlichte. Dieses Spiel brachte das Genre einem breiten Publikum nahe und legte den Grundstein für Hunderte von Nachfolgern. Der Name „18xx" etablierte sich als Oberbegriff für alle Spiele, deren Titel mit einer Jahreszahl aus dem 19. Jahrhundert beginnt – dem goldenen Zeitalter der Eisenbahn. Das „xx" ist schlicht ein Platzhalter für die jeweiligen Ziffern: 1830, 1856, 1889 und so weiter.
Heute umfasst die 18xx-Familie mehrere hundert Titel. Dank Plattformen wie Kickstarter, Print-and-Play-Communities und digitalen Umsetzungen - vor allem 18xx.games - erlebt das Genre eine Renaissance und gewinnt kontinuierlich neue Spielerinnen und Spieler.
Wie funktionieren 18xx-Spiele?
18xx-Spiele sind Wirtschafts- und Aktienspiele mit einem einzigen Siegkriterium: das größte Gesamtvermögen am Spielende. Dieses setzt sich zusammen aus dem Bargeld in der Hand und dem aktuellen Kurswert aller gehaltenen Aktien.
Das Spielprinzip wechselt zwischen zwei zentralen Phasen ab:
Aktienrunden (Stock Rounds): Spieler kaufen und verkaufen Anteile an Eisenbahngesellschaften. Wer die Mehrheit einer Gesellschaft hält, übernimmt das Präsidentenamt und steuert das Unternehmen. Der Aktienkurs reagiert unmittelbar auf unternehmerische Entscheidungen – Dividendenausschüttungen lassen ihn steigen, das Einbehalten von Gewinnen oder Verkäufe drücken ihn nach unten.
Betriebsrunden (Operating Rounds): Die Eisenbahngesellschaften agieren der (meistens durch den Aktienkurs festgelegten) Reihe nach. Präsidenten legen neue Gleisfelder auf dem Hexfeld-Spielplan, kaufen Lokomotiven und führen Zugfahrten durch, um Einnahmen zu generieren. Diese Einnahmen werden entweder als Dividende an die Aktionäre ausgeschüttet oder in der Unternehmenskasse behalten – eine Entscheidung mit weitreichenden strategischen Folgen.
Was 18xx-Spiele von anderen Strategiespielen unterscheidet, ist die strikte Trennung von Privat- und Gesellschaftskapital: Als Präsident versucht man bei minimalem Investment das maximale aus den Unternehmen rauszuholen. Am Besten um anschließend die Konsequenzen einem anderen Aktionär aufs Auge zu drücken – eine Taktik, die im 18xx-Jargon als „Dumping" bekannt ist.
Die bekanntesten 18xx-Titel

1830: Railways & Robber Barons – Das Urgestein des Genres. Angesiedelt im Nordosten der USA, gilt es als eines der brutalsten und direktesten 18xx-Spiele. Finanzielle Manipulation und aggressives Aktienspiel stehen im Vordergrund. Pflichtspiel für jeden, der das Genre verstehen will. Sehr günstig gebraucht u.a. auf Kleinanzeigen zu bekommen.

1889: History of Shikoku Railways – Der ideale Einstieg. Das japanische Spiel ist kürzer und überschaubarer als 1830, ohne auf strategische Tiefe zu verzichten. Es spielt auf der japanischen Insel Shikoku und gilt weltweit als beste Empfehlung für 18xx-Neulinge. Zu bekommen bei allplay.

1846: The Race for the Midwest ist ein moderner 18xx-Klassiker, angesiedelt im amerikanischen Mittleren Westen des 19. Jahrhunderts. Das Spiel besticht durch eine elegante Besonderheit: Spieler können zu Beginn private Eisenbahngesellschaften erwerben, die einmalige Vorteile und Sonderfähigkeiten bieten und so den Einstieg in die Partie stark prägen.

1817 – das nächste Level: Dieses Spiel erlaubt Kredite und die wahrscheinlich größte Revolution - Shorts. Nichts für Anfänger, aber ein Meisterwerk für erfahrene Spieler. 1817 selbst ist vielerorts ausverkauft, aber das variablere 18USA ist noch bei All-Aboardgames zu bekommen.
Sub-Serien und Varianten
Im Laufe der Jahrzehnte haben sich mehrere eigenständige Sub-Serien entwickelt, die jeweils spezifische Mechanismen betonen oder neue Schauplätze erschließen. Dies ist nur ein kleiner Auszug:
1830er Reihe: Basierend auf dem Urgestein 1830, legen diese Spiele vor allem den Fokus auf den Aktienmarkt, die richtige Platzierung und das richtige Timing. Dieses Grundrezept wird dann um unterschiedlichste Komponenten angereichert.
- Verstaatlichung wie in 18SJ
- limitiertes Gleisteil-Set wie in 1882 Assiniboia
- eine spielbare Staatsgesellschaft wie in 18Mex
- und viele mehr.
1822er Familie: Herausrangedes Merkmal sind die vielen Privatgesellschaften, welche in jeder Aktienrunde versteigert werden und unterschiedlichste Sonderfähigkeiten haben, welche dann an die Aktiengesellschaften weitergegeben werden können.
1829 Mainline: Diese Serie macht vieles anders. Aktien werden teils zufällig gezogen/gekauft, Spielphasen werden übersprungen, es können bis zu 4 Gleise gelegt werden und vieles mehr. Der modernste und am besten verfügbarste Titel ist 18India (bei GMT).
Warum spielen 18xx-Fans mit Poker Chips?
Wer zum ersten Mal an einem 18xx-Spieltisch sitzt, fällt einem Detail sofort auf: Statt einfacher Papier- oder Pappgeldscheine liegen Poker Chips auf dem Tisch. Das ist kein Zufall, sondern eine bewusste Entscheidung der Community – und sie hat gute Gründe.
18xx-Spiele erfordern während der Spielzeit ständige Geldtransaktionen: Aktien werden gekauft und verkauft, Dividenden ausgeschüttet, Züge erworben, Gleise gebaut und Geländekosten bezahlt. Die mitgelieferten Spielgeldscheine aus Papier oder Pappe sind funktional, aber unpraktisch: Sie werden schnell unübersichtlich, flattern auf dem Tisch herum und verlangsamen das Spiel, wenn Beträge abgezählt werden müssen.
Poker Chips lösen dieses Problem elegant:
- Verschiedene Farben repräsentieren verschiedene Nennwerte, die visuell sofort erfassbar sind
- Chips lassen sich in Stapeln sortieren und blitzschnell auszählen
- Sie liegen ruhig auf dem Tisch und verrutschen nicht
In der 18xx-Community ist der Einsatz von Poker Chips mittlerweile so weit verbreitet, dass viele Spielegruppen standardmäßig damit spielen – selbst wenn der Verlag reguläres Spielgeld beilegt.
Apache Poker Chips und Rubens Mini Chips – Zwei beliebte Optionen
Innerhalb der 18xx-Community haben sich bestimmte Chip-Serien besonderer Beliebtheit erfreut, weil sie die spezifischen Anforderungen des Genres besonders gut erfüllen. Aber letztendlich langt auch ein gebrauchter Poker-Koffer für 10€ vom Flohmarkt!
Apache Poker Chips sind ein klassischer Favorit unter 18xx-Spielern. Die Chips bestehen aus Kompositmaterial und überzeugen durch ihr solides Gewicht, das angenehm in der Hand liegt. Es gibt verschiedenste Varianten, u.a. auch eine speziell für 18xx entworfene. Kosten jedoch mehr als mehrere 18XX Spiele zusammen.

Rubens Mini Chips verfolgen einen anderen Ansatz: Sie sind deutlich kleiner als Standard-Poker-Chips und damit besonders gut geeignet für Spielgruppen mit begrenztem Tischplatz oder für 18xx-Titel, bei der man mehrere Gesellschaften steuert. Die kompaktere Bauform macht sie leicht transportierbar und einfach zu verstauen. Es gibt 3 verschiedene Designs. Super Preis-Leistungsverhältnis und zu bekommen bei Ruben direkt.

Welche Option die richtige ist, hängt von der Spielgruppe und dem bevorzugten Titel ab: Wer viel Platz hat und Wert auf Haptik legt, greift gerne zu den Apache Chips. Wer flexibel sein und auch mal auf Reisen spielen möchte, ist mit den Rubens Mini Chips gut beraten. Beide Optionen sind gegenüber dem beiliegenden Papiergeld eine spürbare Aufwertung des Spielerlebnisses.
Häufige Fragen zu 18xx Brettspielen
Für wie viele Spieler sind 18xx-Spiele geeignet? Die meisten Titel sind für drei bis sechs Spieler ausgelegt, wobei vier Spieler häufig als ideal gelten. Es gibt jedoch zunehmend Varianten und dedizierte Designs für zwei Spieler oder Solospieler.
Wie lange dauert eine Partie? Das variiert stark. Einsteigerfreundliche Titel wie 1889 oder 18Chesapeake sind in zwei bis drei Stunden gespielt, wobei dies stark mit dem Erfahrungsgrad der Spieler schwankt. Schwergewichte wie 1817 oder 1822CA können acht bis 12 Stunden dauern oder länger.
Welches 18xx-Spiel eignet sich am besten für Einsteiger? 1889: History of Shikoku Railways wird von der Community am häufigsten empfohlen.
Muss ich echte Eisenbahnkenntnisse haben? Nein. Das Eisenbahnthema ist vor allem thematischer Rahmen. Im Vordergrund stehen Wirtschaft, Börse und strategisches Denken – kein historisches Fachwissen erforderlich.
Warum kaufen viele 18xx-Spieler separate Tile Trays? Die Gleisplättchen – im 18xx-Jargon „Tiles" genannt – sind ein weiteres Zubehörthema neben Poker Chips. Ein typisches 18xx-Spiel enthält zwischen 60 und über 200 sechseckige Hexfelder in verschiedenen Typen und Farben. Das mitgelieferte Aufbewahrungssystem der meisten Verlage ist dabei oft rudimentär: Tiles landen unsortiert in Plastikbeuteln oder einfachen Kartoneinlagen, was zu langen Suchzeiten während des Spiels führt.
Speziell gefertigte Tile Trays – meist aus lasergeschnittenem Holz oder stabilem Kunststoff – schaffen hier Abhilfe. Sie sortieren die Plättchen nach Typ und Farbe in einzelne Fächer, sodass jeder Tile während der Betriebsrunde schnell gefunden und nach Spielende ebenso schnell wieder einsortiert werden kann. Gerade bei längeren Partien mit vier oder mehr Spielern summiert sich die gesparte Suchzeit erheblich. Viele engagierte 18xx-Gruppen betrachten ein gutes Tile Tray daher nicht als Luxus, sondern als praktische Notwendigkeit – vergleichbar mit dem Wechsel von Papiergeld zu Poker Chips. Einer der größten Anbieter dafür ist Cube4me.
